Deutsche Bahn

Laut und Gleise

Deutsche Bahn und Warner Music bringen junge Künstler in Bahnhöfe.

Bahnhöfe sind Orte des Abschieds und Ankommens. Und seit Neuestem: eine Bühne für junge Künstler wie Lina Maly!


Gleich im ersten Augenblick macht dieser Ort etwas mit Lina Maly. Freudig betrachtet die 19-Jährige die große gläserne Kuppel, sie dreht sich um die eigene Achse, die Hände in den weiten Taschen ihres Mantels, ihre Ellenbogen angewinkelt, gleichfliegt sie davon, möchte man meinen. Lina singt und schreibt zarte Popsongs. Die blonde Abiturientin stammt aus Elmshorn bei Hamburg und hat zum ersten Mal den Bahnhof Uelzen betreten, der einst nach den Vorstellungen des Künstlers Friedensreich Hundertwasser umgestaltet wurde: Wölbungen, abstrakte Mosaike, Säulen wie bunte Murmelketten, ein fantastisches unterirdisches Wasserspiel. Lina Maly ist gleich begeistert, dass sie hier heute ein Akustik-Konzert spielen darf. Ihr größtes Hobby neben der Musik ist die Malerei. Sie weiß zu schätzen, dass der Österreicher mit vielen Regeln der Architektur brach. „Hundertwasser war immer gegen Ecken und Kanten. Sein Architekturstil gefällt mir."


Noch während Techniker in der Bahnhofshalle Kabel verlegen, ein Mischpult anschließen und der Schlagzeuger den Soundcheck macht, ahnt Martin Libutzki, dass er den richtigen Ort gewählt hat. „Jeder Bahnhof hat seine ganz eigene Akustik, genauso wie jeder Künstler“, sagt der Veranstaltungsmanager der DB-Bahnhöfe. „Unsere Aufgabe ist es, für jeden die richtige Location zu finden.“ Uelzen ist nämlich erst der Anfang. 

 „trainsome sessions“ heißt eine Kooperation zwischen der DB und der Music Entertainment Company Warner Music, die junge Künstler für Akustikkonzerte in Bahnhöfe bringt. Ab 25. Januar 2017 werden im Zweimonatsrhythmus die Akustikvideos veröffentlicht.

Die aufstrebende Sängerin Lina Maly findet die Idee schlüssig. „Für mich sind Bahnhöfe auch Orte der Entschleunigung“, sagt sie, „ich sehe mir dort gern das Treiben an. All die Menschen, die ankommen, abfahren – und jeder trägt eine Geschichte mit sich herum.“ Mit anderen Worten: Stoff für weitere Songs. Na, dann mal los. Der Haupteingang des Bahnhofs ist verhängt, Kameramänner schultern ihr Equipment, der Tontechniker schiebt die Regler hoch. Noch die Bahnhofsdurchsage von einem einfahrenden Zug abwarten, dann kann das Konzert beginnen.
 Lina schließt die Augen, umfasst das Mikrofon und singt die ersten Zeilen von „Meine Leute“: „Hier sind meine Leute. Eine Stimme, die ich taub erkenn’“. Ihre Stimme ist zart und doch voll, federleicht spaziert sie über die Zeilen, mal hier eine besondere Betonung setzend, mal dort bewusst mit den Einsätzen spielend. Die Bahnhofskuppel fängt die sanfte Musik auf, die um die runden Formen zu fließen scheint. Dass hier eigentlich Züge fahren, ist in diesem Moment vergessen. Im vergangenen Jahr erschien Lina Malys Album „Nur zu Besuch“, es folgten eine fast ausverkaufte Deutschlandtour und Auftritte im Vorprogramm des französischen Superstars Zaz. Ihren ersten Plattenvertrag hatte sie, bevor sie ihr Abitur machte. Dass nun alles zu schnell gehen könnte, davor hat sie keine Angst, solange sie umgeben ist von den Leuten, die ihr nahe sind: ihrer Band, ihrer Familie, ihren Freunden. Nachdem Lina ihr letztes Lied gespielt hat, erfüllt Applaus die Bahnhofshalle. Draußen rattern wieder die Züge vorbei, eine Durchsage kündigt einen ICE an. Das Konzert ist beendet. Und langsam kehrt der Klang des Bahnhofs zurück, wo eben noch Musik war.

An der zweiten trainsome session wird bereits gearbeitet. Beim Dreh Anfang Februar wird Alexa Feser zu Gast im Bahnhof sein. Das fertige Video wird dann im März online zu sehen sein.